Was ist wie laut? Dezibel u. Wahrnehmung

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Der Wirt hatte im Vorgespräch darauf hingewiesen, „Bands und Dj’s müssen über unsere Hausanlage spielen und dürfen 90 db nach 22.00 h nicht überschreiten“.  Wie laut oder leise ist das? Wir möchten einige Beispiele geben und uns diesem sensiblen Thema widmen.

Mehr, schneller, größer, lauter und der Nachbar? Er wird immer empfindlicher. Ob in ländlichen Gebieten oder in der Stadt, „Lärm“ empfindet jeder anders. Nicht nur Restaurants, Schausteller und Konzertveranstalter sehen sich der Lärmschutzverordnung und immer strengeren Richtlinien ausgesetzt. Es klagt die Nachbarschaft gegen das Hotel- und Gastronomiegewerbe, leider keine Seltenheit.

Nur, was ist eigentlich wie laut?

Wenn man eine Hochzeit plant oder eine andere Feier, kann es hilfreich sein, etwas über Richtwerte, Bestimmungen und Lautstärken zu wissen.

Einige Lautstärkenbeispiele mit Dezibelangabe

080-090 Dezibel = Laute Gespräche, Küchengeräte, Staubsauger, normale Verkehrsstraßen am Tag
090-095 Dezibel = Hauptverkehrsstraßen mit LKW Verkehr, Elektro-Rasenmäher, Großraumbüros
095-100 Dezibel = Bohrmaschine, Jazz-Schlagzeuger, Saxofon, Trompete, Autobahn
100-110 Dezibel = Eisenbahn, U-Bahn, Discotheken, Rockdrummer (2m Entfernung)
110-120 Dezibel = Kreissäge, Gewitterdonner, Presslufthammer

Es geht lauter, es geht leiser. Aber was ist für eine Feier realistisch? Wir haben über 4 Wochen mit einem geeichten Schallpegelmessgerät Messungen bei Firmenevents, Hochzeiten und Geburtstagen gemacht.

Gespräche bei einem Sektempfang

Was ist wie laut? Die Wahrnehmung von Lärm in Dezibel

Fast 90 Dezibel wurden selbst in fast 4m Entfernung bei normalen Gesprächen gemessen.

Lautstärken bei Events, Hochzeiten und Partys

Unser Ergebnisse bei privaten Feiern und Hochzeiten:

  • Empfang im Freien (50 Gäste) = 85 db
  • Sektempfang im Restaurant (50 Gäste) = 93 db
  • Saxofonspieler unplugged (2m Entfernung) = 89 – 95 db
  • Begrüßungsrede ohne Mikrofon = 83 db
  • Applaus nach Hochzeitsrede (70 Gäste) = 96 db
  • Kaffee, Kuchen und 5 spielende Kinder = 94 – 98 db
  • Die Hauptspeise ist serviert (90 Gäste) = 88 db
  • Thekenbetrieb (Kaffeemaschine) Gläser spülen usw = 88 – 93 db
  • Ein lustiges Spiel wird vorgetragen (über 100 Gäste) = 90 – 102 db

Natürlich schwanken diese Werte, es gibt immer wieder „Spitzen“ die besonders herausragen (ein Baby schreit, ein Hund bellt), die haben wir hierbei nicht berücksichtig.

Aktuelle Richtlinien für uns als Liveband

Zunehmend treffen wir auf Schallpegelmessgeräte in Gaststätten und auch Konzerthallen. Exakte Messungen erfordern allerdings ein fundiertes Wissen und nicht immer wird im Umgang mit dieser Technik alles richtig gemacht. Mehrfach wird auch auf „Zimmerlautstärke ab 22.00 h“ verwiesen, oder „Bässe bitte aus“. Auch zu diesem Thema gibt es leider viele falsche Informationen. Schnell wird dann pauschalisiert und es gibt eine Vorgabe für die Feier: „Band nicht lauter als 92 db“.

Wenn aber ein Rasentrimmer 92-94 db erzeugt und selbst in der Restaurantküche fast 96 db bei normalem Küchenbetrieb von uns gemessen werden, ist es vielleicht verständlich, dass wir eine Vorgabe von 90-92 Dezibel für uns als Liveband als „unfair“ empfinden.

Da kommt es auch mal vor, dass unsere Steckdose am Messgerät angeschlossen wird und bei einer Überschreitung der Strom weg ist.

ein Dezibel Messgerät für Restaurants

Ein Foto aus dem Schloss Engers.

90-92 Dezibel, wir können das!

Auch aus diesem Grund haben wir schon 2016 mit unserem Zimmerlautstärke-Projekt begonnen und nicht nur Instrumente umgebaut. Ja, unsere Band spielt auch als Coverband Livemusik unter 92 db und wenn nötig, auch unter 90 db. Einfach ist das nicht, aber die Zeiten haben sich geändert. Wir können wirklich leise und haben dies mehr als einmal unter Beweis gestellt. Das Thema wird fast überall angesprochen. Auch dieses oben abgebildete Schallpegelmessgerät sehen wir immer öfter.

Sollte Sie das Thema rechtlich interessieren, dann finden Sie hier einen Bericht über die aktuellen Richtlinien- und Lärmschutzbestimmungen. Lassen Sie sich nicht so schnell bange machen. Die Lärmschutzverodnung gilt für ALLE, auch für den in seiner Ruhe gestörten Nachbarn. Irgendetwas zu hören genügt nicht und ist auch kein „Freibrief“ dafür, die nicht zuständige Polizei samt Streifenwagen anzufordern.

Sollte alle Einsicht nicht genügen und es kommt ganz dick: „Kopf hoch, Die Rechnung bezahlen Sie,
nicht der Nachbar“.